Musik macht uns also nicht schlauer? Ganz so einfach ist es nicht. Verabschieden wir uns von herkömmlichen Kategorien wie „schlau“ oder „dumm“, wird die Sache spannend. Neurologisch gesehen sind Musizieren und Singen hochkomplexe Vorgänge.

Musik zu spielen entfacht ein neuronales Feuerwerk

Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie(fMRT) zeigen, dass das Ausüben von Musik viele unterschiedliche Hirnregionen gleichzeitig aktiviert. Wenn Julia Cello spielt, entsteht in ihrem Gehirn ein kompliziertes Zusammenspiel von Hör-, Seh- und Tastsinn, der Feinmotorik und einem Teil ihres Sprachzentrums, des Broca-Areals. Endorphine, körpereigene Glückshormone, sorgen für positive Stimmung.

„Die Verarbeitung von Melodie und Rhythmus beansprucht viele verschiedene Teile des Gehirns gleichzeitig. Darunter solche, die akustische Signale auswerten – aber auch Areale, die für motorische und planende Funktionen zuständig sind. Außerdem spricht uns Musik ja auf einer emotionalen Ebene an, sie macht Spaß, sie “bewegt uns” im wahrsten Sinn. Hier kommen also Gefühle ins Spiel, die das gesamte Denkorgan aktivieren. Kurz: Musik ist neuronal gesehen eine hochvernetzte Angelegenheit. “
(
Professor Dr. med. Eckart Altenmüller, Direktor des „Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin (IMMM) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)

Bei Berufsmusikern ist dies noch deutlicher ausgeprägt. Bei ihnen waren im Vergleich zu Nichtmusikern die Bereiche, die für das Hören, das räumliche Sehen und das Umsetzen von Bewegung zuständig sind, deutlich vergrößert. Es wird vermutet, dass Musiker wie Ezra während ihres Spiels viele verschiedene Dinge gleichzeitig beachten müssen: Sie sollen vorausschauend spielen und die passenden Bewegungen zur Musik ausführen, während sie gleichzeitig ihr eigenes Spiel auf seine Richtigkeit überprüfen müssen.

Ob Berufsmusiker oder nicht – Ein Instrument zu spielen oder im Chor zu singen beeinflusst unsere kognitive, motorische, sprachliche und soziale Entwicklung. Wir sind geistig beweglicher und bleiben es oft bis ins hohe Alter.

“Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass die nutzloseste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung von Kindergehirnen hat“.
(Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther)

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