Der Jubel war groß, als die 15-jährige Lina aus Seelze-Letter beim KIKA-Songwriter-Wettbewerb „Dein Song“ 2013 den ersten Platz belegte. Ähnlich wie Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest 2010 wurde das Hannoversche Musiktalent Lina mit ihrem selbst komponierten Titel „Freakin’ out“ über Nacht berühmt.

Auch Henry aus Wunstorf träumt davon, einmal ganz groß rauszukommen. Seit zwei Jahren spielt der 9-Jährige Gitarre. Zusammen mit seinem Freund Paul wollen sie demnächst eine Band gründen. In den Sommerferien steht ein zweiwöchiger Workshop an. Von Oma gesponsert.

Pop ist Ezras Sache nicht. Der 35-jährige Franzose komponiert Filmmusik. Sein Schwerpunkt sind Thriller. „Wenn den Leuten im Kino die Haare zu Berge stehen und sie sich nach dem Film nicht mehr allein in den Keller trauen, habe ich meinen Job gut gemacht“, grinst der Steven King-Fan, der nach seinem klassischen Klavierstudium in Paris noch ein Kompositionsstudium an der New York Film Academy abschloss.

Julia entdeckte ihre Liebe zur Musik über die Musiktherapie. Nach einem Herzinfarkt half der 53-jährigen Ex-Managerin die Musik, ihr Leben zu entschleunigen. „Da hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe angefangen, Cello zu spielen und bin heute viel gelassener“.

Lina, Ezra, Henry, und Julia – Sie alle begeistern sich für Musik und folgen damit einem Trend, der seit einigen Jahren der Musik und dem „Musik machen“ eine kleine Renaissance beschert. Rückblickend ruft der angestaubte Begriff des „Musizierens“ Assoziationen stundenlangen Übens langweiliger Volkslieder wach. Heute hat sich das Bild gründlich gewandelt. Musik zu spielen ist angesagter denn je. Vom Kleinkind bis zum Senior sind alle mit dabei.

Wie und warum fasziniert uns Musik? Wie nehmen wir Musik wahr? Wie lässt sich erklären, dass Mütter ihr Ungeborenes mit Mozart beschallen, Zweijährige in der musikalischen Frühförderung sitzen, 14-Jährige Songs komponieren und Senioren zum Trommel-Workshop nach Mallorca fahren?

Kann uns Musik verändern? Macht sie schlau? Oder kreativ? Kann sie heilen? Gibt es evolutionsbiologisch eine Erklärung dafür, dass Menschen seit Jahrtausenden Musik machen, Affen aber nicht? Muss Musik etwas „leisten“, um in der breiten Öffentlichkeit als wertvoll wahrgenommen zu werden?

Diesen Fragen werden wir nachgehen. Unter der Themenreihe „Faszination Musik“ werden wir jeweils einen dieser Aspekte näher vorstellen. Zum Auftakt geht es der (Kern-)Frage auf den Grund: Sind Musiker die schlaueren Menschen?

Bitte weiterlesen mit Teil II…