Viele Künstler und Bands haben sich schon die eine Frage gestellt: Warum hatte ich eigentlich noch nie einen Chart-Erfolg? Für die Comedy-Rockband „ The Axis of Awesome“ aus Australien ist die Antwort klar: Du musst einen „Four-Chord-Song“ schreiben!

In ihrem gleichnamigen Video wird schnell deutlich, was sie meinen. Rund 45 Hits bringen sie in sechs Minuten unter – und alle, von Journey mit „Don’t stop believing“ über Bob Marley mit „No woman no cry“ bis hin zu Lady Gagas „Pokerface“, folgen dem gleichen Harmoniemuster. Vier Akkorde. Reicht das wirklich aus, um einen Popsong erfolgreich zu machen?

Glaubt man Volkmar Kramarz, braucht es tatsächlich nicht viel mehr. Der an der Universität Bonn lehrende Musikwissenschaftler erklärt in seinem Buch „Die PopFormeln“ zwölf Harmoniefolgen, die seit dem Beginn des Rock’n’Roll immer wieder gern verwendet werden. Auch die vier Akkorde, die Axis of Awesome nutzen, findet man. Sie werden im Buch gleich an erster Stelle als Variante der „Turn-Around-Formel“ vorgestellt. „Im Moment sind wir in einer Welt angekommen, wo die drei Dur-Akkorde, mit einem Moll-Akkord erweitert, fast von allen Songs die Grundlage bilden“, erklärt Kramarz im 3Sat-Interview.

Das Geheimnis der Formel ist ihre Einfachheit: Die Grundfolge besteht aus vier Akkorden, die auch Dreiklänge genannt werden, weil jeweils drei Töne gleichzeitig gespielt werden. Drei der Klänge in der Turn-Around-Formel sind so hintereinander gelagert, dass sich jeweils nur einer der drei Töne ändert. So scheinen sie fast ineinander zu verschmelzen und sind für den Hörer sehr leicht zu erfassen. Die einzige Ausnahme bildet der letzte Akkord, bei dem sich alle drei Töne ändern – aber trotz dieses Bruches klingt die Harmonie in unseren Ohren doch vertraut. Dieser letzte Akkord wird in der Musiktheorie auch Dominante genannt und basiert auf der fünften Stufe der Grundtonleiter. Er ist so angelegt, dass er zum ersten Akkord der Folge, dem Hauptklang oder Tonika, zurückführt. Die Kombination von Dominante und Tonika ist jedem von uns bekannt, weil sie seit Jahrhunderten in vielen Musikstücken genutzt wird.

im nächsten Teil folgt der zweite Part…